27th Jul2008

Hertie: Verdi beunruhig über dramatische Lage

by L. S.

Hertie: Verdi beunruhig über dramatische LageDie Warenhauskette Hertie hat weiter mit Schwierigkeiten zukämpfen. Seit der Übernahme durch den britischen Investor Dawnay Day für 500 Millionen Euroim August 2005 hat die Kette weitere 170 Millionen Euro Verlust eingefahren. Im laufenden Geschäftsjahr beläuft sich der Verlust bereits auf satte 30 Millionen Euro.

Eine Besserung ist bislang nicht in Sicht, obwohl es bereits einen Aktionsplan zur Umstrukturierung der deutschlandweit 73 Warenhäuser gibt.

“Das grundlegende Konzept als Nachbarschaftskaufhaus in mittelgroßen Städten funktioniert und ist zukunftsfähig.” Hertie sei in vielen Städten “Platzhirsch”, der Name genieße hohe Akzeptanz bei Kunden. Allerdings seien Verbesserungen beim Sortiment und bei der Warenversorgung nötig, die gelegentlich verspätet komme und an den Bedürfnissen der Kundschaft vorbeigehe. Die bisher bundesweit geführte Kette müsse sich regional aufteilen, um die örtlichen Besonderheiten zum Beispiel in Einkauf und Präsentation besser zu berücksichtigen. Die Umsetzung dieser Pläne ist allerdings erst im Anrollen.

Am kommenden Mittwoch will der Aufsichtsrat der Warenhauskette Hertie in einer Sondersitzung über die Zukunft des Unternehmens und seiner 4100 Mitarbeiter beraten.

Hintergrund sind Berichte über finanzielle Probleme des britischen Haupteigentümers Dawnay Day. Das Londoner Finanzhaus hält seit drei Jahren 85 Prozent an Hertie und hatte bisher die Millionenverluste der 73 Hertie-Häuser ausgeglichen. Angesichts der offensichtlichen Probleme von Dawnay Day sei die Situation für Hertie dramatisch, hieß es von der Gewerkschaft Verdi.

Bisher erhielten weder das Management noch die Arbeitnehmerseite genaue Informationen aus London, sagte der zuständige Verdi-Sekretär Johann Roesch, der im Aufsichtsrat sitzt. “Ich hoffe, dass das bei der Sitzung anders sein wird.” Hertie schreibt nach Angaben des Gewerkschafters im laufenden Geschäftsjahr (bis 30. September) Verluste im zweistelligen Millionenbereich und braucht definitiv weiteres Geld von den Investoren. Die übrigen 15 Prozent hält die britische Unternehmensberatung Hilco. Von der Firma selbst gibt es seit Tagen keinerlei Aussagen zu ihrer geschäftlichen Situation, ihren Plänen und den Aussichten der Belegschaft.

Sollte Dawnay Day als Investor ausfallen, sei dies aber nicht das Ende für Hertie, sagte Roesch.

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