28th Dez2010

Christoph Maria Herbst: Böse Abrechnung mit dem Traumschiff

by L. R.

Christoph Maria Herbst: Böse Abrechnung mit dem TraumschiffFür Millionen TV-Zuschauer ist das Traumschiff ein TV-Klassiker. Ganz einfach aus dem Wohnzimmer in die weite Welt hinaus schippern und ein bisschen im Luxus schwelgen, wenn auch nur gedanklich.

Jetzt hat Christoph Maria Herbst („Stromberg“) das nette Luxus-Idyll zerstört. In seinem buch „Ein Traum von einem Schiff“ räumt er mit dem romantischen Klischee „Traumschiff“ radikal auf.

Dabei spielt Christoph Maria Herbst in der nächsten Folge selbst mit. Am 1. Januar sticht er als Gast auf dem Traumschiff in see.

Weil Herbst so viel freie Zeit während des Drehs auf hoher See hatte, schrieb er einfach ein Buch und legt darin frech alle Schattenseiten des „Taumschiffs“ offen.

• Über seine Rolle: „Werde ich genügend untalentiert spielen können, um zu überzeugen? Wie spricht man schlechte Texte gut?“

• Über TV-Kapitän Siegfried Rauch (78): „Für ihn ist die Brücke an Bord eher eine Art Palliativstation (Abteilung für Todkranke, d. Red.).“

• Über die „normalen“ Passagiere an Bord: „Böse Zungen behaupten, das ,MS‘ stehe für Mumienschlepper.“ Und: „Das Ganze hat was von schwimmender Schwarzwaldklinik: so zittrig die Stimmchen, so gebeugt die Körper, so löcherig das Deckhaar der Insassen.“

• Über den Regisseur: Er „hat ein komplett zugewachsenes Gesicht und trägt rund um die Uhr eine verspiegelte Sonnenbrille, die nicht nur seine Augenbrauen vollständig überdeckt, sondern auch noch seine Nasenflügel berührt. Die bärtige, genmanipulierte Fliege Puck stellt man sich so vor.“ Und: „Niemand, so auch ich nicht, versteht diesen Mann. Er versteht es, so unglaublich zu nuscheln.“

• Über Kult-Produzent Wolfgang Rademann (76), den er erstmals in Berlin traf: Er riecht „so unglaublich nach Knofi, als habe er sich seinen eigenen müffelnden Jungbrunnen mitten in Charlottenburg gebohrt“. Und: „Viren haben keine Chance bei ihm, es sei denn, sie tragen mittlerweile Sauerstoffmasken.“

• Über das Schiff selbst: „Ich hatte es mir größer vorgestellt, aber das hat es mit Dustin Hoffman, Robert De Niro und Robert Redford gemein, wie die Tatsache, dass es sich bei allen vieren um Auslaufmodelle handelt.”

• Über seine Schauspielkollegen, die ihre Texte nicht können: „Doch nicht immer ist Faulheit der Grund für diese Form von asozialem Verhalten, das den kompletten Betrieb aufhält, wenn nicht sogar lahmlegt. Oftmals sind die Gründe vielschichtiger, zum Beispiel hochprozentig bzw. -promillig.“ Oder „sie hängen, wie in unserem Fall, mit dem bereits fortgeschrittenen Alter eines Rentenverweigerers zusammen.”

• Über den Kameramann: „Ein fleißiger Herr mit faulem Atem.“

• Über seine Kolleginnen: „Hechelnd scannen deren sich unentwegt bewegende, stark geschminkte, gern auch mit Sonnenbrille bedeckte Augen einander ab, schätzen Größen, vermessen Falten, berechnen Körbchen, vergleichen Hintern.“

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