20 Jahre MDR: Ein Fernsehsender zwischen Heimatgefühl und Südfriedhof
Der MDR feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum und keiner hat‘s gesehen. Er kommt aus Leipzig und ist von Anfang an Mitglied der ARD.
Der MDR ist die erfolgreichste Fernseh- und Rundfunkanstalt aller öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Sein Konzept hieß von Anfang an, Eingehen auf die Wünsche der Zuschauer in seiner Region und dies auch mit den Mitarbeitern des ehemaligen Fernsehens der DDR und dessen Sendematerials. Heimatgefühl und Volksnähe ohne Ende und von Anfang an.
Aber die Geschichte des MDR ist auch eine Story mit sehr vielen Facetten. So wurde das benötigte Geld für den Neuaufbau des MDR in Leipzig an der Börse vervielfacht und er übernahm erfahrene Mitarbeiter des DFF der DDR. Letzteres sorgte dann dafür, dass auch der MDR ins Visier der Stasi-Aufklärer kam und letztendlich für Aufklärung über diverse Mitarbeiter und deren Vergangenheit sorgen musste.
Abgesehen davon ging der technische Aufbau von Anfang an Richtung Zukunft, auch wenn mit dieser Zukunft so manch ein Mitarbeiter auf Kriegsfuß steht.
Zu den erfolgreichsten Produktionen des MDR gehört neben den „Festen der Volksmusik“ für die ARD, die Krankenhaus-Soap „In aller Freundschaft“, die in der Zwischenzeit in „HD“ produziert wird. Auf dem Gebiet der Ratgebersendungen sind es Erfoglsprodukte wie die „Umschau“, die gerade ihr 60-jähriges Jubiläum feiert, „Escher“ oder „Hauptsache gesund“.
Allerdings ist das Zuschauersegment des MDR hauptsächlich im Bereich der älteren Zuschauer zu finden.
Irgendwie hat es der Sender nie so richtig geschafft, sein Sendeniveau auf jüngeres Publikum einzustellen. Sieht man dies ganz hart, so kann man sagen, dieses wurde völlig ignoriert. Bei so manch einer Sendung kommt vom Aufbau der morbiete Charme von „betreutem Fernsehen für ältere Zuschauer“ auf. Da sind dann diese Nachmittagssendungen, in denen sich eine ach so liebevolle, der Traum aller Schwiegermütter- Moderatorin mit einem ach so süßem Hündchen vor der Kamera “räkelt” und sinnlos Telefon-Fragen älterer daheim gebliebener Zuschauer beantwortet. Das ist so schön, das jeder jüngere Zuschauer, der beim Zappen ausversehen dort zum stehen kommt im Notfall aus dem Fenster springt.
Nebenbei bekommt der MDR-Zuschauer dann immer wieder zu spüren, wenn der Intendant wieder einmal seine Kollegen aus dem Westen integriert, dann gibt es Fernsehen auf dem Niveau des Westens mit sinkendem Niveau dafür aber mit mehr politischer Linientreue.
Ansonsten gab und gibt es die allgemein üblichen Skandale bei den öffentlich-rechtlichen Sendern um veruntreute und verschwendete Gelder und wie wohl kaum bei einem anderen Sender zu finden, im wahrsten Sinne des Wortes, jede Menge alte Bekannte – alte Seilschaften – die zueinander gefunden haben.
Sein Intendant Udo Reiter verlässt den MDR „das sinkende Schiff“. Er will die notwendigen Veränderungen den Anderen überlassen.
Sinkendes Schiff – ja, vielleicht, wenn es der Sender nicht schaffen sollte für alle Altersschichten interessant zu werden und endlich auch den richtigen Umgang und Einsatz der neuen Medien zu begreifen und zu nutzen. Ein neuer trimedialer Programmdirektor allein tut es nicht.
Internetplattformen wie YouTube beweisen täglich, wie die Sender am Publikum vorbei arbeiten. Auch müssen endlich Sendenormen wie „HD“ zum Standard werden.
Das Jubiläum des MDR könnte zum einen der Anfang für einen multimedialen Neubeginn sein oder zum anderen, der Anfang vom Ende.
Aktuell ist der MDR ein Sender mit dem morbiden Charme eines multimedialen Altersheims mit integriertem Friedhof mit geistiger Hightech-Kremation, so geistig vernebelt und die Zähne hebend schaurig schön.
Und manchmal fragt man sich, warum dieser nicht gleich vom nahe gelegenen Südfriedhof kommt…

